HANNAH OTTO ist Sopranistin und Musikwissenschaftlerin mit einem Schwerpunkt auf Neuer Musik, experimenteller Vokalpraxis und künstlerischer Forschung.
Sie singt, spricht und forscht über die Stimme als Ort, an dem Identität, Gender und klangliche Präsenz verhandelt werden. Sie ist aktuell Akademistin der TONALi Bühnenakademie und arbeitet als Doktorandin und Dozentin am Institut Musik der Universität Siegen.
Ihr Masterstudium an der Hochschule für Musik und Tanz Köln schloss sie mit den Schwerpunkten künstlerische Forschung und Gesang ab. Den Abschluss bildete ein interdisziplinäres Projekt mit der Künstlerin Luca Wielage. Entscheidende Impulse für ihren performativen und forschenden Ansatz verdankt sie der engen Zusammenarbeit mit Prof. Winnie Huang (Künstlerische Forschung / Gestische Performance).
Ihre Arbeit erkundet das performative Potenzial der Stimme in kammermusikalischen und interdisziplinären Formaten mit besonderem Augenmerk auf Zugänglichkeit, Inklusion und die Demokratisierung künstlerischer Räume. Regelmäßig bringt sie neue Werke zur Uraufführung, darunter Kompositionen von Nathalie Brum, Ahmetcan Gökçeer, Carlie Schoonees, Joan Tan Jing Wen, Irene Tanuwidjaja und Aline Sarah Müller.
Für mich ist die Stimme ein Ort, an dem Persönliches und Kollektives aufeinandertreffen, geprägt von Geschichte, Technologie und Kultur. Diese Perspektive prägt meine künstlerische Praxis: Ich untersuche, wie sich Identität im Klang materialisiert und wandelt, von den performativen Dimensionen von Gender und Vokalität bis zur Materialität von Atem, Text und klanglicher Präsenz.
Ihre Auftritte und Premieren führten sie zu Festivals und Spielstätten wie dem Mozartfest Würzburg, dem Sommerblut Kulturfestival Köln, dem Museum für Angewandte Kunst Köln, dem Beethoven-Haus Bonn, dem INMM Darmstadt, dem Musikfestival Bern und dem Classica Seoul (KOR). Auf der Bühne interpretierte sie unter anderem Schönbergs Pierrot Lunaire mit dem Contemporary Sound Forum Seoul in Südkorea (März 2026) sowie Kate Sopers Voices from the Killing Jar unter der Leitung von Carlos Lopes (September 2026).
Als Konzertstipendiatin des MozartLabor (2024/25) erarbeitete sie zeitgenössisches Repertoire für Sopran und Gitarre mit Melani Skopljakovic und war im Juni 2025 in der Freispiel-Reihe beim Mozartfest Würzburg zu erleben. Neben der Teilnahme am FARM-Programm 2024 des Orpheus Instituts Gent führte sie eine Künstler*innenresidenz an die Europäische Akademie für Musik und Darstellende Kunst Montepulciano (2025). Im August 2026 war sie Teil der Residenz im Haus für Musiker (Insel Hombroich), veranstaltet von BRUTALISM Cologne. Aus dieser Residenz und der daraus entstandenen Performance entstand eine fortlaufende Zusammenarbeit mit der Künstlerin Jacqueline Butzinger (Computermusik/Violine/Spatial Audio).
Neben ihrer künstlerischen Praxis widmet sich ihre Forschung Fragen von Exil, Erinnerung und Widerstand. Für ihre Studie über die chilenische Komponistin Leni Alexander wurde sie mit dem Best Paper Award der GMM (Gesellschaft für Musikwirtschafts- und Musikkulturforschung) ausgezeichnet. Sie ist zudem Redaktionsmitglied, Autorin und Podcast-Host bei musiktexte.online.